„Warum ich meine Haare abgeschnitten habe“

Im September 2021 hat Deborah beim 5. Cut to Care 50 cm ihrer Haare gespendet. Sie hat sich von ihrem Markenzeichen getrennt – für andere. Was dieser Schritt für sie bedeutet hat und wie auch du mit etwas für dich Selbstverständlichem einen Unterschied im Leben anderer machen kannst:

Seit nun bald zehn Jahren findet das Cut to Care statt. Mindestens 30 cm müssen ab, damit daraus Perücken für Erkrankte hergestellt werden können. Für eine fertige Perücke braucht es etwa fünf bis acht solcher Haarspenden. In den letzten Jahren haben über 370 Spender/innen den Schnitt gewagt und so etwas für sie Selbstverständliches an andere weitergegeben.

Ihr Markenzeichen

Auch Deborah ist eine von den mutigen Spender/innen. Deborah ist 35 Jahre alt, verheiratet und arbeitet als Sängerin und Lehrerin. Sie hat beim Cut to Care 2022 50 cm ihrer Haare abgeschnitten und gespendet. Und das, obwohl die langen, natürlich roten Haare ihr Markenzeichen waren. Sie haben zu ihr gehört, ihr viel bedeutet und sie gewissermassen definiert. Ohne das Cut to Care bzw. die Möglichkeit etwas Gutes zu tun, hätte Deborah die Haare niemals so viel geschnitten. Da sie etwas Gutes tun wollte, hat sie sich aber trotzdem dafür entschieden, die Haare zu schneiden und sich von ihrem Markenzeichen zu trennen. So hat sie bewusst schon ein Jahr vor dem Cut to Care ihre Haare wachsen lassen, damit diese noch länger werden und mehr gespendet werden kann. 

Nicht selbstverständlich

Deborah war sich bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, Haare zu haben. Bereits im Studium hatte sie Kontakt mit einer Person, die an starkem Haarausfall litt. Auch wenn Menschen eine Chemotherapie durchmachen mussten, hat sie dieses sichtbare Zeichen des Kampfes gegen den Krebs berührt – denn für sie waren Haare schon immer sehr wichtig und einfach vorhanden.

Ein grosser Schnitt

Als dann der grosse Tag, das Cut to Care gekommen war, machte die Ungewissheit, was der neue Haarschnitt auslösen würde, sie nervös. Durch ihren Wunsch, möglichst viel zu spenden, kam mit den 50cm auch viel von der Haarlänge weg. Denn um eine Perücke herstellen zu können braucht es eigentlich „nur“ mindestens 30 cm. So fühlten sich die Haare nach dem Schnitt ungewohnt an. Gerade auch das Durchfahren mit den Fingern war für Deborah ganz anders.

Nicht nur an das Gefühl, sondern auch an den Anblick musste sich Deborah erst Mal gewöhnen. Diese Umstellung nahm sie gerne in Kauf. Denn dadurch schenkt sie einem Kind ein Stück Normalität – ein gewohntes Spiegelbild.

Ein Geschenk

Die Haare schneiden und spenden ist ein Weg, wie man anderen etwas für sich Selbstverständliches weitergeben bzw. zurück geben kann.

Deborah weist aber darauf hin, dass man nicht einmal sehr kreativ werden muss, um Menschen eine Freude zu bereiten. Durch ein Lächeln oder ein Kompliment im oft so hektischen Alltag kann man bereits einen grossen Unterschied machen.

Wenn es praktisch werden soll, kann man sich mal überlegen, was für einen selbst selbstverständlich erscheint. Angefangen bei der Selbstverständlichkeit Essen auf dem Teller zu haben. Deborah beispielsweise kauft Bettelnden gerne eine Mahlzeit, die sie selber aussuchen dürfen.

Sie möchte uns auch herausfordern, dass wir uns nicht an materielle Sachen binden. Teilen und weitergeben kann Leben verändern.